Über mein Suchen und Finden der richtigen Wege im Hundetraining…

Vor einiger Zeit sagte mir einer unserer Kunden aus der Tierarztpraxis, in der ich gearbeitet habe:

„Es macht richtig Spaß Ihnen und Ihrem Hund zuzusehen, wenn Sie spazieren gehen.“

 

Ein Satz, der mich bis heute begleitet und es schaffte, mich immer wieder zu motivieren wenn die Rückschläge bei der Arbeit an Djabbas problematischen Verhaltensweisen überhand nahmen.

Es war ein langer Weg für meinen Partner und mich zu diesem Umgang mit dem Lebewesen Hund zu finden. Wir haben nicht nur unsere Methoden sondern unsere gesamte Einstellung hinterfragt und verändert, so dass wir heute jeden Tag mit unserem Vierbeiner genießen dürfen.

Ohne meine Ausbildung wäre dies nicht möglich gewesen. Viele ahnen nicht, dass wir einen eher schwierigen Start mit Djabba hatten. Besonders als Frau ist es nicht unbedingt leicht, wenn man sich einen Welpen einer recht groß werdenden und gefährlich aussehenden Rasse ins Haus holt.

 

Nicht nur einmal durfte ich mich deswegen beschimpfen lassen und Erziehungstipps rieselten ohnehin massenhaft ein: so ein großer Hund muss ja schließlich tadellos „funktionieren“.

Wir wollten also alles richtig machen, suchten eine Hundeschule und nahmen das Trainings sehr ernst.

Zu ernst.

Wir merkten leider zu spät, dass wir uns mit diesem verbissenen Training viele Steine in den Weg legten.

So hatten wir, als Djabba 2,5 Jahre alt war, einen Hund, der sein Futter und alle Spielzeuge die er besaß, massiv verteidigte.

Kein Wunder, bekam er doch sein Futter nie aus dem Napf und musste es sich ausschließlich erarbeiten. Zeigte er keine gute Leistung gab es kein Futter – ein enormer Stress, unter dem er dauerhaft stand.

(Ich finde es grundsätzlich gut, Hunde mit Futter zu belohnen und zu schauen, dass Futter auch über Beschäftigung angeboten wird! Das geht aber auch auf entspanntere Art und Weise!)

Durch aversive Korrekturen (Einsatz von Wasserflaschen zum Erschrecken z.B.) kam es zu Problemen bei Hundekontakten. Wir blockten außerdem alle Hunde ab und straften bei Verhalten, das uns nicht passte. Wir ließen es kaum zu, dass er spontan mit Hunden kommunizierte und selbst wenn er eigentlich gutes Verhalten zeigte suchten wir förmlich seine Fehler. Wollten wir doch einen perfekten Hund!

Dieses Verhalten unsererseits trug einen großen Teil dazu bei, dass Spaziergänge mit ihm zum Spießrutenlauf wurden.

40 kg Frust und Unsicherheit hingen mir täglich in der Leine.

Durch unser übertriebenes Management wurde er immer unsicherer.

Ein Hund der immer dicht bei seinem Besitzer läuft war unser Ziel. Nur war Djabba schon immer unglaublich interessiert an seiner Umwelt und ließ sich von manchen Dingen scheinbar nicht abhalten.

Also griffen wir auch in diesem Bereich, hilflos wie wir waren, zu Strafen.

Wir müssen uns besser durchsetzen, sagte man…

Die Spirale begann sich nun hochzuschrauben…

Korrekturen die anfangs super funktionierten ließen in ihrer Wirkung und Funktion nach und wir mussten immer heftiger und öfter Strafen (dachten wir damals…): Aus einem Spritzer aus der Wasserflasche wurde eine halbe Dusche.

Spaß machte Spazierengehen mit dem Hund kaum noch. Zu viele Dinge sollten wir beachten, zu viel musste unterbunden werden, zu oft funktionierten die Methoden nicht mehr und viel zu oft stellte ich mich selber in Frage.

Ich nahm das Verhalten meines Hundes sehr persönlich.

Und ungefähr zu diesem Zeitpunkt begann ich meine Ausbildung.

Anfangs war es nicht leicht für mich, mich völlig von den Lernmethoden, hinter denen ich heute absolut stehe, überzeugen zu lassen.

Entspannungstraining, Markersignal, Umweltbelohnungen – ich verstand die Welt nicht mehr und konnte mich schließlich erst drauf einlassen nachdem ich es selber probierte.

Eine unserer ersten Übungen, die wir so trainierten war der Geschirrgriff. Ein Signal, mit dem Djabba bis heute gut bei Verhalten unterbrochen werden kann, ganz ohne strafende oder bedrohende Elemente. Und alleine dadurch besserte sich seine Stimmung insgesamt um ein Vielfaches. Spaziergänge fingen endlich wieder an Spaß zu machen.

Nun eröffneten sich ganz neue Möglichkeiten und Stück für Stück gingen mein Partner und ich immer mehr in dieser Arbeit mit unserem Vierbeiner auf.

Wir verbesserten uns, wenn einer doch in alte Muster zurückfiel, erklärten uns gegenseitig Djabbas Verhalten und lernten endlich, ein Leben mit Hund zu genießen.

Unser Hund durfte seine Umwelt genauer kennenlernen und wir sahen immer mehr, dass er sogar von sich aus gutes Verhalten anbot, welches wir wunderschön ausbauen konnten. Das hätten wir ihm vorher nie zugetraut.

Verhaltensinterpretationen aus den Bereichen der Dominanztheorie verabschiedeten wir vollständig aus unserem Alltag.

 

Wir sind unendlich froh, dass Djabba uns so viel verziehen hat und dass er so viel ertragen konnte ohne das Vertrauen in uns komplett zu verlieren.

In manchen Situationen holt uns diese Vergangenheit noch ein und er fällt in Unsicherheiten zurück.

Aber selbst in diesen Momenten handeln wir nun gewissenhaft und sicher, weil wir die Gründe kennen und wir das Verhalten verstehen.

Ich hoffe sehr, dass ich in Zukunft noch vielen Mensch-Hund Teams zeigen kann, dass eine gewaltfreie Erziehung durchaus möglich ist. Dass es nicht darum geht, was andere über einen denken und dass jeder Mensch die eigenen Regeln für seine Hunde aussucht. Schließlich haben wir alle unterschiedliche Ansprüche an ein Leben mit unseren Vierbeinern.

 

Natürlich gibt es generelle Dinge, die Hunde können sollten und das ist besonders in der Stadt und im städtischen Umfeld absolut wichtig.

Ein rücksichtsvoller Umgang mit anderen Menschen, fremden Hunden und weiteren verschiedenen Tierarten wird in meinem Training sehr groß geschrieben.

Aber mit freundlichen, gut aufgebauten Signalen, einer positiven Grundstimmung und Hunden, die die Welt kennenlernen durften und so sicherer im Verhalten sind, macht Hundetraining sogar Spaß.

Und umso schöner ist es, wenn Außenstehende das sogar sehen können 🙂